Foto Academy
Selbstwert & Preisfindung
Mein Preis als Selbstwert
Visionsarbeit
Wenn Du die Technik so weit beherrschst, dass Du nicht mehr ständig über Kameraeinstellungen nachdenken musst, beginnt für mich einer der schönsten Teile der Fotografie: der Aufbau Deines Portfolios.
Am Anfang habe ich fotografisch in alle Richtungen gearbeitet. Hochzeiten, Familien, Kinder, Portraits, Interior – ich wusste noch nicht, wohin meine Reise führen würde. Und das ist völlig in Ordnung. Du musst am Anfang nicht wissen, was Dein Spezialgebiet sein wird. Die vielen Übungseinheiten, in denen ich den sicheren Umgang mit meiner Kamera gelernt habe, habe ich gleichzeitig genutzt, um erste Bilder für mein Portfolio zu sammeln. Ich habe alles fotografiert, was mich begeistert hat: Familie, Freunde, Blumen, schöne Räume, Lieblingsgegenstände und kleine Szenen aus meinem Alltag. Das war eine wunderbare Zeit. Es gab keinen Druck, keine Erwartungen und keine Vorgaben – nur Neugier, Kreativität und die Freude am Ausprobieren.
Sobald Menschen vor der Kamera stehen, verändert sich jedoch etwas. Plötzlich kommen Wünsche, Erwartungen und Vorstellungen dazu. Neben Deinen eigenen Ideen gibt es nun auch die Perspektive Deines Gegenübers. Die Balance zwischen diesen beiden Welten zu finden, braucht etwas Übung – und genau darin wächst man als Fotografin oder Fotograf.
Eine Erfahrung habe ich dabei sehr früh gemacht: Viele Menschen können sich das fertige Bild noch gar nicht vorstellen. Deshalb lade ich meine Kundinnen und Kunden gerne ein, auch einmal etwas auszuprobieren, das zunächst ungewohnt erscheint. Oft entstehen genau dabei die stärksten Bilder. Schließlich sehe ich als Fotografin bereits das fertige Ergebnis vor meinem inneren Auge, während mein Gegenüber es erst später entdecken wird.
Hab Vertrauen in Deine Ideen. Experimentiere. Probiere Dinge aus. Nicht jedes Bild wird ein Meisterwerk – aber jedes Bild bringt Dich einen Schritt näher zu Deinem eigenen Stil.
Dein Schaufenster
Stell dir deine eigene Webseite vor. Sie hilft dir, ein klares Konzept zu entwickeln: Welche Bilder und Informationen brauchst du eigentlich und welchen Rahmen möchtest du später damit schaffen?
Auf der Startseite sollte sofort erkennbar sein, worum es geht: In welchem Bereich arbeitest du und wo bietest du deine Leistungen an?
Danach folgt meist die Leistungs- oder Angebotsseite. Welche Themen deckst du ab? Baby & Bauch, Portrait, Fashion, Interior, Hochzeit und vieles mehr. Für jeden dieser Bereiche brauchst du repräsentative Bilder, die deinen Stil klar widerspiegeln. Aus Kundensicht sollten auf jeder Portfolio-Themenseite mindestens acht aussagekräftige Bilder zu sehen sein.
Die nächste wichtige Seite ist oft die Preisseite, sofern die Preise nicht bereits in die Portfolioseiten integriert sind. Gerade dieser Bereich ist am Anfang oft eine Herausforderung, weil es schwerfällt, den eigenen Wert richtig einzuschätzen. Mein Kompass ist dabei nicht der aktuelle Stand, sondern die Richtung: Was möchtest du erreichen und wie möchtest du deine Arbeit positionieren? Das Gefühl für den eigenen Wert entwickelt sich mit der Zeit.
Wo siehst Du Dich in der Zukunft?
Ich selbst habe am Anfang viel kostenlos oder für sehr wenig Geld gearbeitet. Das ist für den Aufbau eines Portfolios durchaus sinnvoll. Wenn du jedoch professionell arbeiten möchtest, muss deine Arbeit auch bezahlt werden. Nach dem Motto „Was nichts kostet, ist nichts wert“ steckt, so hart das klingt, doch ein Stück Wahrheit darin.
Ich habe selbst erfahren, dass Kunden zwar kommen, wenn sie von schönen Bildern und Projekten angezogen werden, aber sie bleiben und empfehlen dich weiter, wenn auch eine empathische Beziehung entsteht. Meine ersten Kunden waren oft Bekannte von Freunden. Wenn diese zufrieden waren, wurde ich weiterempfohlen.
Wenn wir das Konzept einer Webseite weiterdenken, darf natürlich auch eine „Über mich“-Seite nicht fehlen. Mach dir Gedanken darüber, wer du bist, wer du sein möchtest. Fokussiere dich auf deine Stärken und deine Ziele und formuliere dein Zielbild.
Wie finde ich meine Preise?
Die Preisgestaltung gehört für viele Fotograf zu den schwierigsten Themen überhaupt. Oft liegt das nicht an mangelnder Erfahrung, sondern daran, dass der eigene Selbstwert eng mit der kreativen Arbeit verknüpft ist.
Fragen wie:
- Bin ich gut genug?
- Darf ich dafür Geld verlangen?
- Was, wenn jemand meinen Preis zu hoch findet?
sind völlig normal. Fast jeder Fotograf kennt diese Gedanken.
Dabei wird häufig ein wichtiger Fehler gemacht: Man bewertet nur die Zeit des Shootings.
Ein Kunde bucht jedoch nicht nur eine Stunde Fotografieren. Er bucht Deine Vorbereitung, Dein Equipment, Deine Erfahrung, Deine Bildauswahl, Deine Bearbeitung und Dein Gespür für Menschen und Situationen.
Nehmen wir als Beispiel ein Portraitshooting:
- Erstkontakt & Terminvereinbarung: 15–30 Minuten
- Vorbereitung & Planung: 15 Minuten
- Shooting: 1 Stunde
- Bildauswahl: 30 Minuten
- Bildbearbeitung: 1–2 Stunden
- Export & Auslieferung: 15 Minuten
- Rechnung & Administration: 15 Minuten
Damit entstehen schnell 4 bis 5 Stunden Arbeitszeit – obwohl der Kunde vielleicht nur eine Stunde vor der Kamera stand.
Wenn Du Deine Preise kalkulierst, rechne deshalb immer den gesamten Zeitaufwand mit ein.
Als einfache Orientierung für den Einstieg kannst Du mit einem internen Stundensatz zwischen 50 und 80 Euro kalkulieren.
Beispiel:
5 Stunden Gesamtaufwand × 60 Euro = 300 Euro
Das bedeutet nicht, dass Du diesen Preis sofort verlangen musst. Es hilft Dir jedoch zu verstehen, welchen Wert Deine Arbeit tatsächlich hat.
Am Anfang darfst Du günstiger sein, um Erfahrung zu sammeln und Dein Portfolio aufzubauen. Wichtig ist jedoch, dass Du Dir bewusst machst: Das ist eine Übergangsphase und kein Dauerzustand.
Mein persönlicher Rat: Kommuniziere nicht den Preis, der Deiner aktuellen Unsicherheit entspricht. Kommuniziere den Preis, in den Du hineinwachsen möchtest.
Denn mit jeder Kundin, jedem Shooting und jeder Erfahrung wächst nicht nur Dein Können, sondern auch Dein Vertrauen in den Wert Deiner Arbeit.